Interview

Kurze Geschichte der deutschen Kolonie Schönfeld

Zusammenfassung des Interviews mit dem Historiker, Heimatkundler, Aspirant der Fakultät „Geschichte“ Mykolaïver Staatsuniversität namens            V. O. Suhomlyns´kyj, Vorsitzender des Vereins der Heimatkundler „Svitovyd“, Vorsitzender einer Regionalabteilung des Vereins „Krajevjed“und Heraldiker Victor Drobny. 

Herr Drobny, das Dorf Krynyčky trägt diesen Namen seit 1946. Davor hieß die Ortschaft Schönfeld. Den Namen Schönfeld bekam es von den deutschen Kolonist*innen. Wurde das Dorf von deutschen Siedler*innen gegründet?             

Das Dorf entstand in den 1820er Jahren. Grundbesitzenden war die Familie Bohdanovyč. In einem Zeitraum von 1870 -1873 erwarben die deutschen Siedler*innen aus den anderen Kolonien das Land. So entstand die Kolonie Schönfeld. Neben diesen Namen wurden noch weitere Kolonienamen verwendet: Brunnen und Drei Brunnen. Während einer Ausgliederung der deutschen nationalen Rajone (in den 1920ern) wurde ihr der Name Schönfeld  gegeben. 1896 gab es in der Kolonie 23 Höfe, einen Gasthof, eine römisch-katholische Kirche und eine Schule. Die Gesamtzahl der Bewohner*innen betrug 142. 1946 wurde die Ortschaft in Krynyčky umbenannt, was auf Deutsch „Brunnen“ bedeutet. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich keine deutschen Siedler*innen mehr in dieser Kolonie. Heute gibt es zehn Brunnen im Dorf, die von den deutschen Kolonist*innen gebohrt wurden.

Welche Tätigkeiten wurden von den Kolonist*innen hauptsächlich ausgeübt?

Die Kolonist*innen spezialisierten sich auf Vieh- und Pferdezucht, Verkauf des Getreides. Es befand sich ein Gasthof in der Kolonie.

Wie wurden die Höfe der deutschen Kolonist*innen gestaltet?

Traditionell wurden die Grundstücke in einen Hof und einen Gemüsegarten aufgeteilt. Wohnhaus, Stallungen und Scheune wurden in einer Linie gebaut und rechts platziert. Links befanden sich die Hühner- und Pferdeställe.  Der Erdkeller war ein wichtiges Element der Hofgestaltung. Die von deutschen Kolonist*innen erbauten Wohnhäuser und Erdkeller sind im Dorf bis jetzt erhalten.

Wie wurde in der Kolonie die Neue Ökonomische Politik durchgeführt?

Am Anfang der 1920er Jahren gehörte Schönfeld zu einem Rajon Varvarivka Mykolaïver Bezirks. 1922 – 1923 wurde die Kolonie zu einem Dorfrat Novohryhorivka eingegliedert. 1924 wurde ein Dorfrat in Schönfeld organisiert und die Ortschaft wurde ein Teil des Landauer Rajons. Zum Schönfelder Dorfrat gehörten die Ortschaften Novohryhorivka, Halbstadt und  weitere Gehöfte. Bis jetzt konnte ich die Namen der Dorfvorsitzenden aufgrund des Fehlens der Dokumente nicht finden.

Wie kann man den Alltag der Kolonie in der Zeit nach der NÖP beschreiben?

1930 wurde in der Kolonie eine Kolchose namens Lenin gegründet. Zur Kolchose gehörten Landwirtschaftliche Genossenschaft Schönfeld, die Artels Freundschaft № 6 und Kolonist (welches später in Kommunist umbenannt wurde). Zu diesem Zeitpunkt war Hekel Ivan Matvijovyč der Dorfratsvorsitzende. Zusammen mit dem Leiter der Arbeitskolonie in Schönfeld Schöner Anton Romanovič verteilen sie die Lebensmittel während der Hungersnot  (1932 – 1933).

Fanden Verbannung und Zwangsumsiedlung der deutschen Kolonist*innen in Schönfeld statt?

Die erste Welle der Zwangsumsiedlung war in den 1930er Jahren. Die deutschen Bewohner*innen der Kolonie wurden außerhalb des Landauer Rajons umgesiedelt. 1937 wurden die Kolonist*innen nach Kasachstan und Sibirien geschickt. Einige Familien wurden nach Georgien in die Sowchose namens Kirov ausquartiert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die ukrainische Bevölkerung aus der Kolonie umgesiedelt. Das Land wurde  unter den deutschen Kolonisten aufgeteilt. 1944 wurden die deutschen Bewohner*innen  nach Wathergau umgesiedelt und die Ukrainer*innen zogen zurück. 1956 kehrten zwei gemischte Familien nach Krynyčky zurück.

Was erinnert noch heute an die deutschen Bewohner*innen vor Ort?

Heute findet man im Dorf von deutschen Kolonist*innen gebaute Wohnhäuser, Erdkeller, Brunnen, eine Brücke und eine Schule. In der Kolonie gab es eine Heilig-Kreuz-Kirche. In der 1950er – 1960 Jahren wurde die Kirche ruiniert. Nach einer Sprengung der Kirche sind lediglich ein paar Steine übrig geblieben.

Das Buch „Korotka istorija sela Krynyčky“ von Victor Drobny ist unter folgendem Link erhältlich: “Korotka istorija sela Krynyčky”.